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Sergej Fedorov
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Die Eisenkonstruktionen in den Gebäuden der staatlichen Eremitage St. Petersburg

Erfassung, Analyse und Bewertung im Kontext des frühen europäischen Stahlbaus
FP
Innerhalb weniger Jahre um 1840, nach einem verheerenden Brand, wurden sämtliche Bauten der kaiserlichen Residenz in St. Petersburg, des heutigen Baukomplexes der Staatlichen Eremitage, mit für die damalige Zeit hochmodernen eisernen Tragstrukturen unterschiedlichen Typs versehen. Weitgehend noch im Original erhalten und archivalisch offenbar gut dokumentiert, stellt dieser umfangreiche historische Bestand heute ein äußerst aufschlussreiches Ensemble für das Verständnis des frühen Stahlbaus dar. Von der UNESCO als Teil des historischen Zentrums von St. Petersburg zum Weltkulturerbe erklärt, kommt ihm auch denkmalpflegerisch außerordentliche Bedeutung zu.

Seit 2009 fördert die DFG ein vom Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung der BTU Cottbus (Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz) und dem Institut für Tragkonstruktionen (Dr.-Ing. Sergej Fedorov der Universität Karlsruhe) konzipiertes Forschungsprojekt für eine ausführliche moderne Untersuchung der Eisentragwerke der Eremitage. Damit können die bereits geleisteten Voruntersuchungen in weiterhin enger Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort ausgedehnt und vertieft werden. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit stehen:

 

  • detaillierte konstruktive Bestandserfassung mit angemessenen Methoden - vom Handaufmaß und Tachymeter bis zur laserscangestützten 3D-Vermessung
  • Analyse der Archivalien zur Aufbereitung der Planungs- und Baugeschichte
  • Rekonstruktion der Planungs- und Konstruktionsprozesse sowie der Bau-, Montage- und Reparaturabläufe
  • Analyse des Tragverhaltens und die Bewertung der jeweiligen konstruktiven Qualitäten
  • Einordnung im Kontext des frühen europäischen Eisenbaus und in der zeitgenössischen Bautechnik/Ingenieurwissenschaft

Die wissenschaftliche Arbeit zielt dabei vor allem auf das Verständnis der Denkweisen und Lösungsstrategien der damaligen Konstrukteure im Umgang mit dem seinerzeit neuartigen Baustoff Eisen an einem herausragenden und für die Fragestellung besonders ergiebigen Bauwerk. Von großer Bedeutung ist die Interpretation und Bewertung der aus heutiger Sicht oft fremdartig anmutenden Lösungen im konstruktionsgeschichtlichen russischen und europäischen Kontext. Methodisch werden baugeschichtliche, ingenieurwissenschaftliche und bautechnikgeschichtliche Ansätze zusammengeführt. Dabei werden die Methoden der historischen Bauforschung durch ingenieurspezifische Komponenten wie etwa ingenieurtechnisch orientierte Bestandsaufnahmen oder statische Analysen und Parameterstudien ergänzt und akzentuiert.

Jenseits der wissenschaftlichen Bedeutung haben die im Projekt vorgesehenen Arbeiten an den Gebäuden der Staatlichen Eremitage große praktische Relevanz. So liefern die Untersuchungen:

 

  • eine erstmalige umfassende Dokumentation des Ist-Zustandes der wesentlichen historischen Tragwerke in detailgenauen Zeichnungen
  • exemplarische statische Analysen des Tragverhaltens mit modernen ingenieurwissenschaftlichen Methoden zur Bestimmung des realen Sicherheitsniveaus
  • eine Datenbank zur Verwaltung und weiteren Bearbeitung aller erfassten und erarbeiteten Dokumente (Archivalien, Zeichnungen, Fotos, Berechnungen etc.)
  • einen praktischen Leitfaden zur angemessenen Untersuchung, Bewertung und Behandlung der wertvollen historischen Tragwerke
  • konkrete Vorschläge zur Instandsetzung und Ertüchtigung im Rahmen der laufenden notwendigen Erhaltungsmaßnahmen

DFG-Forschungsprojekt

Projektleiter und -bearbeiter Karlsruhe: Dr.-Ing. Sergej Fedorov
Projektmitarbeiter: Egbert Friedrich


In Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus
und in Kooperation mit der Staatlichen Eremitage St. Petersburg